Resümee, Nissan Leaf genau betrachtet

Geht es an der Realität der e-Mobilität vorbei, wenn man mit dem e-Auto von Graz nach Wien fährt? Nun, es ist zwar eine Autobahn, meine tatsächlich gefahrene Geschwindigkeit entspricht aber einer schlecht ausgebauten Bundesstrasse… Was auf der A2 mitunter zu unangenehmen Konfrontationen mit LKWs führt. Zuerst waren sie noch klein im Rückspiegel zu sehen, kurz darauf kann ich die Kratzer an der Windschutzscheibe zählen… Dafür wächst der Wald mit den Eco-Bäumchen am Display des Nissan Leaf.

Für einen Test bin ich gerne bereit, fünf Stunden im Kaffeehaus zu sitzen, während das Auto ladet. Unter realen Bedingungen sind solche Pausen aber völlig unrealistisch. – Bitte her mit den Schnellladestationen!!

Solche Ladezeiten treten natürlich auch bei kürzeren Fahrten auf. Dann etwa, wenn man mit der ganzen Familie unterwegs ist, man ein Ziel pünktlich (Tempo!) erreichen will und bei Außentemperaturen von sieben Grad der Ruf nach Heizung unüberhörbar ist.

Erkenntnisse wiederholen sich

Die Erkenntnisse der drei Wochen mit einem e-Auto, immer wieder: Erstens: Der Fahrkomfort ist einmalig, elegant und komfortabel. Die Kinder lieben das „Batterie-Auto“, man weckt Interesse und kommt ins Gespräch. Zweitens: Energieintensive Aggregate saufen die Akkus leer – mit beschlagenen Scheiben etwa kann man aber nicht fahren, ein bisserl Wärmekomfort ist ja auch nicht so schlecht, angesichts der neunmonatigen Kälteperiode… Die notwendige Infrastruktur zum schnellen Laden ist – noch – nicht vorhanden. Ein Pallawatsch mit zig Kundenkarten zum e-Tanken zeichnet sich aber leider jetzt schon ab.

Die Frage ist: Was will man mit Elektromobilität erreichen? Den Einsatz dort triggern, wo eigentlich fast alles passt? Etwa Zustelldienste in flachen Regionen, Personentransport am Flughafen, innerbetriebliche Fahrten. Und/oder: Substitution des Verbrennungsmotors überall dort, wo der öffentliche Verkehr kaum auf Touren kommt und die Infrastruktur auf beiden Seiten der Fahrtstrecken passt? Oder will man einfach die breite Masse ansprechen? Bei letztem gehe ich jede Wette ein, dass es derzeit nichts wird. Bei den ersten beiden Punkten gibt es sehr viel Potential, zur Zeit liegt die Betonung auf Potential.

Nissan Leaf

Leaf_PRDas Auto ist sehr komfortabel, die Sitze kann man gut einstellen. Der hohe Fahrkomfort wurde schon mehrfach erwähnt. Der Bordcomputer ist 1a und bietet eine riesige Breite von Möglichkeiten, der Energieverbrauch kann gut abgelesen werden, das Navi hat Ladestationen inklusive. Die Kopplung mit dem Mobiltelefon geht ohne Anleitung in Minutenschnelle. Die Schaltung ist anfangs ein wenig gewöhnungsbedürftig. Bei der Wendigkeit gibt es Einschränkungen. Die Sicht nach hinten ist durch die schmalen Fenster der Hintertüren eingeschränkt. Es gibt aber eine Rückfahrkamera.

Foto: (c) Nissan 

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